Train Low – Think High?

Wie du die Winterzeit für Fettstoffwechsel & metabolische Gesundheit nutzt.

Die Offseason ist kein Loch.
Sie ist eine strategische Phase.
Und wer sie richtig nutzt, baut nicht nur Form auf, sondern Systemtiefe.

Einer der am meisten unterschätzten Hebel in dieser Zeit:
Die gezielte Verbindung aus Training, Ernährung und Stoffwechselsteuerung.

Denn im Winter kannst du nicht nur „Kilometer sammeln“ –
du kannst deine metabolische Flexibilität verbessern, deinen Fettstoffwechsel trainieren und
gleichzeitig dein zentrales Nervensystem entlasten.

Weniger Zucker, mehr Mitochondrien. Weniger Tempo, mehr Tiefe.

Dieser Beitrag zeigt dir, warum „Train Low“ – also das Trainieren bei niedriger Glykogenverfügbarkeit – genau jetzt Sinn ergibt,
und wie du den Winter zur Systemoptimierung nutzt – statt zur Notlösung.

Teil 1: Was bedeutet eigentlich „Train Low“?

„Train Low“ heißt:
Trainieren mit niedrigem Kohlenhydratspeicher – z. B. nüchtern oder nach carb-reduzierter Mahlzeit.

Ziel ist nicht maximale Performance, sondern:

  • Verbesserung der Fettverbrennungskapazität

  • Steigerung der mitochondrialen Dichte

  • Optimierung der metabolischen Flexibilität (Fette + Kohlenhydrate effektiv nutzen)

Je effizienter du Fette verbrennst, desto später „brennst du leer“.
Das gilt für Ausdauer, Regeneration und sogar mentale Leistungsfähigkeit.

Teil 2: Warum gerade der Winter dafür ideal ist

1. Weniger Performance-Druck = mehr Raum für metabolisches Training

In der Offseason musst du nicht rennen – du darfst steuern.

→ Grundlage = niedrigintensive Zone-2-Einheiten → ideal für Fettstoffwechsel
→ perfekte Umgebung für „Train Low“: niedrigintensiv, lang, kontrolliert

2. Reduziertes Gesamtvolumen = hormonelle Entlastung

Du kannst gezielt mit leichtem Energie-Defizit arbeiten,
ohne direkt ins Übertraining zu kippen.

→ Gesteuerte Kalorienreduktion + Bewegung = bessere Insulinsensitivität, geringeres Körperfett, stabilerer Hormonhaushalt

3. Weniger soziale Reize = leichterer Fokus auf Ernährung

Keine Grillfeste, keine Sommerabende = perfekte Phase für strukturierte Essroutinen
→ Fokus auf:

  • Proteinreich, unverarbeitet, nährstoffdicht

  • Carb-Periodisierung je nach Trainingsform

Teil 3: Was passiert im Körper – wissenschaftlich betrachtet

Studien zeigen: Trainingsphasen bei niedriger Glykogenverfügbarkeit führen zu:

  • ↑ mitochondrialer Biogenese

  • ↑ Aktivität fettverbrennender Enzyme (z. B. CPT-1, HADH)

  • ↑ Fettverfügbarkeit im Muskel

  • ↓ Kohlenhydratabhängigkeit bei gleicher Leistung
    (vgl. Bartlett et al., 2013; Marquet et al., 2016)

Zusätzlich:

  • ↓ chronisch erhöhte Insulinspiegel

  • ↓ Entzündungsmarker

  • ↑ HRV, ↓ Cortisol – bei richtiger Steuerung

Train Low ≠ Low Carb.
→ Ziel ist nicht Askese, sondern Adaption.

Teil 4: So kombinierst du Training, Ernährung & Regeneration richtig

Prinzipien:

  • Train Low 1–2× pro Woche → nicht täglich

  • Fokus: Zone 2, nüchtern oder mit minimalem Carb-Input

  • Keine HIITs im „Low“-Zustand → hormonell zu belastend

  • Erholung priorisieren: Schlaf, HRV, Alltagsstress beachten

Konkrete Anwendung:

Tag Training Ernährung Ziel
Montag 60–90 Min Zone 2 morgens nüchtern Frühstück protein/fettreich Fettstoffwechsel
Mittwoch Gym (Krafttraining) Carbs rund ums Training Muskelwachstum, Leistung
Samstag Longrun Zone 2 (leicht gecarbt) Moderate Carbs Base-Building
Sonntag Mobility / Spaziergang Kalorien leicht unter Erhalt Regeneration & Insulinsensitivität

Teil 5: Mentale Komponente – Think High

„Train Low“ wirkt nicht nur körperlich.
Es wirkt mental.

Warum?

  • Es bringt Klarheit: Du brauchst nicht immer Vollgas, um zu wachsen.

  • Es stärkt Disziplin: Du steuerst dich, statt dich treiben zu lassen.

  • Es verändert dein Verhältnis zu Nahrung, Training und Fortschritt.

Du lernst: Fortschritt ist kein Gefühl – es ist eine Strategie.

Der Winter ist nicht die Zeit, um schneller zu werden.
Es ist die Zeit, um intelligenter zu werden.

Train Low ist kein „Hack“ – es ist eine gezielte Anpassungsstrategie,
die dich metabolisch, hormonell und mental stärkt – genau dann, wenn viele ausbrennen.

Wenn du Struktur, Fokus und einen Plan hast,
wird der Winter zur Systemoffensive.

Weniger Zucker. Mehr Mitochondrien.
Weniger Druck. Mehr Tiefe.

Und genau das macht Hybridtraining nachhaltig leistungsfähig.

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