Warum du oft verlierst, bevor du überhaupt startest

Gestern Abend bin ich laufen gegangen.

Vor mir auf der Strecke: eine geschlossene Gewitterfront. Dunkler Himmel, Wind, diese typische Spannung in der Luft.
Alexa gibt eine Unwetterwarnung raus.

Viele wären an der Stelle gar nicht erst losgelaufen.

Ich hatte etwa 13 bis 14 Kilometer auf dem Plan. Also ungefähr eine Stunde. Realistisch betrachtet war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich mitten im Lauf komplett nass werde.

Ich bin trotzdem los.

Nicht, weil ich dachte, dass ich Glück habe.
Sondern weil ich damit einverstanden war, dass ich komplett nass werde.

Der Unterschied ist klein – aber entscheidend.

Die eigentliche Entscheidung passiert vorher

In solchen Momenten geht es nicht um das Wetter.
Es geht um eine Entscheidung.

Die meisten treffen sie unbewusst:

„Lohnt sich nicht.“
„Bringt heute eh nichts.“
„Dann lieber morgen.“

Was hier passiert, ist kein rationaler Abwägungsprozess.
Es ist eine Form von antizipierter Belastungsvermeidung.

In der Psychologie spricht man von avoidance behavior:
Der Mensch versucht, potenziell unangenehme Situationen im Vorfeld zu umgehen – selbst dann, wenn die Wahrscheinlichkeit oder der tatsächliche Ausgang unklar ist.

Das Problem:
Du vermeidest nicht nur die Belastung.
Du vermeidest auch die Chance.

Unsicherheit wird systematisch überschätzt

Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Risiken zu erkennen – nicht Chancen.

Das führt dazu, dass wir:

  • negative Szenarien überschätzen

  • positive Szenarien unterschätzen

  • und Unsicherheit grundsätzlich eher als Gefahr interpretieren

Verhaltensökonomisch lässt sich das unter anderem durch Loss Aversion erklären (Kahneman & Tversky):
Der potenzielle „Verlust“ (nass werden, unangenehm laufen) wiegt subjektiv stärker als der potenzielle „Gewinn“ (gute Einheit, Fortschritt, Gefühl danach).

Die Folge:
Viele entscheiden sich gegen das Losgehen – obwohl die Realität oft weniger dramatisch ist als die Vorstellung.

Was tatsächlich passiert ist

Ich bin losgelaufen.

Die ersten Kilometer: trocken.
Die Mitte: immer noch trocken.
Der Himmel wurde dunkler, aber es kam nichts runter.

Am Ende waren es 1 Stunde 10 Minuten, knapp 14 Kilometer.

Kein einziger Regentropfen.

Das ist nicht der Punkt

Es geht nicht darum, dass ich „Glück hatte“.

Es geht darum, dass ich die Entscheidung getroffen habe, bevor ich wusste, wie es ausgeht.

Viele wären gar nicht los.

Und genau dort liegt der Unterschied.

Training ist kein Wetterproblem – sondern ein Systemproblem

Die Trainingseinheit einzuloggen war mir wichtig.

Nicht aus Ego.
Nicht aus Zwang.

Sondern weil es Teil eines Systems ist.

Wenn dein Training davon abhängt, ob die Bedingungen perfekt sind, dann ist es kein System.
Dann ist es Opportunität.

Und Opportunität ist nicht belastbar.

Systeme funktionieren auch dann, wenn:

  • das Wetter nicht passt

  • der Tag nicht ideal ist

  • die Motivation nicht da ist

Nicht, weil du dich zwingst – sondern weil die Entscheidung bereits getroffen wurde.

Übertragbarkeit: Das ist kein Laufthema

Das gleiche Muster siehst du überall:

  • im Job: Projekte werden nicht gestartet, weil „der Zeitpunkt nicht passt“

  • im Training: Einheiten werden verschoben, weil sie sich nicht gut anfühlen

  • im Leben: Entscheidungen werden aufgeschoben, weil der Ausgang unklar ist

Am Ende passiert immer das Gleiche:
Man verliert Optionen, ohne es aktiv zu merken.

Was du daraus mitnehmen kannst

Erstens: Triff Entscheidungen unabhängig vom Ausgang.
Wenn du nur dann handelst, wenn das Ergebnis sicher ist, wirst du selten handeln.

Zweitens: Akzeptiere die „schlechte Variante“ im Voraus.
In meinem Fall: nass werden.
Wenn du damit fein bist, verschwindet ein Großteil der inneren Reibung.

Drittens: Baue Systeme, keine Ausredenlogik.
Wenn jede Einheit neu verhandelt wird, wirst du langfristig instabil.

Viertens: Unterschätze nicht, wie oft du falsch liegst.
Die meisten Szenarien, die wir vermeiden wollen, treten so gar nicht ein.

Persönlich gesagt

Ich hätte mich gestern mehr darüber geärgert, nicht gelaufen zu sein, als darüber, nass geworden zu sein.

Und genau das ist oft der bessere Kompass.

Nicht: „Wie unangenehm wird es jetzt?“
Sondern: „Wie werde ich rückblickend darüber denken?“

Wenn du dein Training systemischer steuern willst

Ich arbeite aktuell mit maximal 10 Personen im Coach K Performance Circle. Ganz bewusst limitiert. Ganz bewusst persönlich.

Wenn du glaubst, das passt – schreib mir oder vereinbare ein Gespräch:
Erstgespräch vereinbaren

Wenn du solche Inhalte regelmäßig lesen willst, trag dich in den Newsletter ein.


Neuigkeiten und Angebote abonnieren

Jetzt Newsletter anmelden